Der aufführende Körper als schöpferischer Akteur im Musizieren: physische, kinästhetische und multisensorische Dimensionen der Musikkreation

In meiner Forschung als Cellistin untersuche ich, wie der aufführende Körper in den Kompositionsprozess neuer Musik einbezogen werden kann und wie er diesen Prozess sowie die daraus entstehenden musikalischen Ergebnisse prägt. Im Zentrum stehen dabei körperliche Zustände, physische Empfindungen, kinästhetische Erfahrungen sowie Wahrnehmungsprozesse – etwa Berührung, Klang und Sehen – und deren Einfluss auf musikalische Gestaltung.
Ich frage danach, welche musikalischen Materialien, Formen, Dauern, körperlichen Ausdrucksweisen und sinnlichen Erfahrungsqualitäten aus dieser Verbindung hervorgehen. 

Meine zentralen Forschungsfragen lauten: Welche Methoden, die den aufführenden Körper einbeziehen, können die Entwicklung improvisierter und komponierter Musik leiten? Und wie können die wahrnehmungsbezogenen, kinästhetischen und körperlichen Erfahrungen von Instrumentalist*innen die Entstehung und Formung von Klangmaterial beeinflussen?

Das Projekt ist im Feld der künstlerischen und Embodiment-Forschung verortet und künstlerisch in der zeitgenössischen westlichen Kunstmusik situiert. Es versteht den Körper von Interpret*innen nicht als bloßes Medium der Ausführung, sondern als einen Faktor, der musikalische Komposition mit hervorbringt, und dabei als zentralen Ort der Untersuchung.

Methodisch steht das experimentelle Arbeiten mit dem Cello im Mittelpunkt. Dazu gehört die Zusammenarbeit mit Komponist*innen bei der Entwicklung neuer Stücke ebenso wie der Aufbau einer Improvisationspraxis mit anderen Musikerinnen. Ergänzend untersuche und analysiere ich Werke des zeitgenössischen Repertoires, in denen der Körper als wesentliches performatives und kompositorisches Element auftritt. Aus diesen Arbeitsprozessen sammle ich phänomenologische Beobachtungen, Reflexionen und audiovisuelle Aufnahmen. Die daraus hervorgehenden musikalischen Ergebnisse werden analysiert und miteinander verglichen, um Einsichten zu gewinnen, die instrumentale und kompositorische Praxis neu ausrichten können.

Mit meiner Forschung möchte ich Methoden musikalischer Gestaltung entwickeln, die den aufführenden Körper als kompositorisches Material begreifen. Dadurch sollen körperliche Aufmerksamkeit und wahrnehmungsbezogene Auseinandersetzung mit Klangmaterial und musikalischer Form vertieft werden.

Erstbetreuerin: Univ. Prof.in Dr.in Barbara Lüneburg, ABU
Zweitbetreuerin: Univ. Prof.in Dr.in Annegret Huber, mdw

Biografie

Anna Grenzner ist Cellistin mit Schwerpunkt auf zeitgenössischer Musik und Improvisation. In ihrer künstlerischen Praxis erweitert sie die Grenzen des Musizierens durch die Verbindung von Klang, Körperbewegung, Text und Reflexion. Sie ist Mitglied und künstlerische Ko-Leiterin des LaKT Ensembles für choreomusikalische Forschung und tritt regelmäßig in ganz Europa als Ensemble- und Kammermusikerin sowie mit Soloprojekten auf.

Als Mitglied der Ensembles LaKT, Zeitfluss, Coincidence und STIO war sie bei Festivals wie Musikprotokoll Graz, Kultursommer Wien, Festival Ensems, Festival Mixtur, Klangspuren Schwaz, Festival Resis und den Tiroler Festspielen Erl zu erleben. Darüber hinaus arbeitet sie mit Ensembles wie Schallfeld Ensemble und Arxis Ensemble zusammen.

Ihr Masterstudium absolvierte Anna Grenzner an der Universität für Musik und darstellende Kunst Graz in Zusammenarbeit mit dem Klangforum Wien, ihren Bachelor am Conservatori del Liceu in Barcelona. Derzeit promoviert sie im Rahmen eines künstlerisch-wissenschaftlichen Doktoratsprogramms an der Anton Bruckner Privatuniversität Linz.

Künstlerisch geprägt wurde sie unter anderem durch die Zusammenarbeit mit Musiker*innen des Klangforum Wien, des Ensemble Ascolta, des Ensemble Modern und des Ensemble Recherche. Im Bereich der Improvisation arbeitete sie mit Joëlle Léandre, Elisabeth Harnik, Paul Abbott und Gunda Gottschalk zusammen.

Für ihre künstlerische Arbeit erhielt sie unter anderem 2023 das Startstipendium für Musik des österreichischen Bundesministeriums für Kunst, Kultur, öffentlichen Dienst und Sport. 2024 wurde sie zudem mit einem Stipendium für das Programm Creation and Scenario in Music an der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) ausgezeichnet.

www.annagrenzner.com