Synthese von Kreisen: Transkulturelle choreografische Praxis anhand von Bewegungsanalyse und Neugestaltung

Mit diesem Forschungsvorhaben untersuche ich transkulturelle choreografische Praxis, indem ich den „Kreis“ als gemeinsamen körperlichen Träger und generatives Prinzip nutze. Im Zentrum steht die Analyse unterschiedlicher kreisförmiger Bewegungsmechanismen, die aus dem Sufi-Derwischtanz, dem chinesischen klassischen Tanz und dem Wiener Walzer abstrahiert werden, um ihr Potenzial für zeitgenössische Transformationen zu erschließen.

Ausgehend von Wolfgang Welschs Konzept transkultureller Hybridität sowie Susan Leigh Fosters poststrukturalistischer Auffassung des tanzenden Körpers geh ich in meinem Projekt über eine bloße Gegenüberstellung kultureller Formen hinaus und verstehe Choreografie als fortlaufenden Prozess der Subjektivitätsbildung. Die zentrale Forschungsfrage lautet: Wie können die kulturell geprägten Kreisbewegungen ausgewählter Tanzformen dekonstruiert und zu einer transkulturellen choreografischen Sprache umgeformt werden?

Vor diesem Hintergrund untersuche ich, wie sich diese spezifischen Bewegungsformen von ihren tradierten ästhetischen Hüllen lösen lassen und wie dieser Prozess der „Denaturalisierung“ die unterschiedlichen Bewegungslogiken in ein zeitgenössisches Bewegungsvokabular überführt. Methodisch verbinde ich die Laban Movement Analysis (LMA) zur Untersuchung kinetischer Mechanismen mit vergleichenden choreografischen Fallanalysen, intensiver künstlerischer Praxis sowie kinästhetischer Reflexion.

Ziel meines Forschungsvorhabens ist die Entwicklung eines praxisbasierten Modells transkultureller Choreografie, das neue Strategien für die Übersetzung und Transformation von Bewegung im zeitgenössischen Tanz eröffnet.

Erstbetreuerin: Assoz.Univ.Prof.in Mag.a Rose Breuss, ABU
Zweitbetreuerin: Univ.-Prof.in Dr.in habil. Stephanie Schroedter, mdw

Biografie

Jiaji Cheng (*1998, China) ist Tänzer, Choreograf und Tanzpädagoge. Seine Ausbildung begann an der Ningbo Art School mit einem Schwerpunkt auf chinesischem klassischem Tanz und Volkstanz. Anschließend studierte er Tanzpädagogik am Zhejiang Conservatory of Music, das er 2020 mit mehreren Auszeichnungen und als Outstanding Graduate abschloss. Von 2022 bis 2024 absolvierte er unter der Betreuung von Prof. Rose Breuss den Masterstudiengang Movement Research an der Anton Bruckner Privatuniversität Linz, den er mit Auszeichnung abschloss.

Seine künstlerischen Arbeiten wurden auf zahlreichen internationalen Bühnen und Festivals präsentiert. Als Tänzer war er unter anderem am Theater an der Rott, beim A!KO Dance Festival sowie beim China-CEEC Music and Dance Festival zu sehen. Das gemeinsam choreografierte Werk Homodyne wurde beim Ars Electronica Festival und beim Geneva Mapping Festival gezeigt. Sein Tanzfilm Song Dynasty · Flower Wedding erhielt 2023 den Best Creativity Award des Divulge Dancers’ Film Festival. Die Choreografie Fish in the Room, die er für eine seiner Schülerinnen entwickelte, wurde 2025 beim Dubai International Dance Competition mit dem ersten Preis ausgezeichnet.

Derzeit forscht Jiaji Cheng im Rahmen eines Doktorats zu transkulturellen Ansätzen der Tanzkreation. Im Zentrum seiner Arbeit steht die Frage, wie traditionelle Tanzformen in zeitgenössische choreografische Kontexte integriert werden können. Ziel ist die Entwicklung praxisorientierter Methoden, die zur innovativen Bewahrung und Weiterentwicklung von Tanz als künstlerischer Ausdrucksform beitragen.