Entscheidungsfindung und Geschlechterdynamiken in Prozessen kollaborativer Theaterpraxis
In meinem künstlerischen Forschungsprojekt untersuche ich, wie Entscheidungsprozesse in kollaborativer Theaterpraxis ausgehandelt werden. Verortet in derTheaterwissenschaft sowie in der Forschung zu kollaborativen künstlerischen Schaffensprozessen frage ich danach, wie Entscheidungsprozesse durch Kommunikation, Machtverhältnisse und Geschlechterdynamiken entstehen und geprägt werden.
Die zentrale Forschungsfrage lautet, wie und unter welchen Bedingungen Entscheidungsprozesse in kollaborativer Theaterarbeit ausgehandelt werden und wie Geschlechterdynamiken diese Prozesse beeinflussen können.
Das Projekt verbindet einen praxisorientierten Ansatz mit theoretischer Untersuchung. Ich nutze meine eigene künstlerische Praxis als primäre empirische Grundlage. Dabei stütze ich mich auf drei miteinander verbundene theoretische Perspektiven: Feministische und Gender-Theorie zur Analyse von Machtverhältnissen, Affekttheorie zur Untersuchung verkörperter und nonverbaler Interaktion sowie Theorien zu internen Gruppendynamiken im Theater, um unterschiedliche Formen der Zusammenarbeit zu verstehen.
Das Primärmaterial besteht aus drei aufeinanderfolgenden Theaterprojekten, die ich initiiere und an denen ich als Performer-Researcher aktiv beteiligt bin. Diese Projekte ermöglichen mir die Forschung aus einer Innenperspektive und dienen als analytische Orte, an denen Entscheidungsfindung und Machtverhältnisse beobachtet, reflektiert und künstlerisch erprobt werden können. Ergänzend analysiere ich Probenprozesse zweier Theatergruppen, Toxic Dreams in Wien und Dah Theatre in Belgrad, als vergleichende Fallstudien. Sie kontextualisieren meine eigene Praxis und eröffnen externe Perspektiven auf kollaborative Prozesse und künstlerische Zusammenarbeit im Theater.
Methodisch verbinde ich praxisbasierte Forschung mit einem qualitativen Ansatz. Dazu gehören die Entwicklung und Dokumentation künstlerischer Prozesse, teilnehmende Beobachtung, reflektierendes Schreiben, Feldnotizen, semi-strukturierte Interviews und vergleichende Analysen.
Indem ich herausarbeite, wie Entscheidungsfindung durch Kommunikation, Genderdynamiken und Machtverhältnisse ausgehandelt wird, möchte ich zu einem differenzierteren Verständnis von Entscheidungsprozessen in kollaborativer Theaterpraxis beitragen. Zugleich zeige ich, wie dieses Verständnis inklusivere Formen kollaborativer künstlerischer Arbeit unterstützen kann.
Erstbetreuer: Univ. Prof.in Dr.in Barbara Lüneburg, ABU
Zweitbetreuer: Univ. Prof.in Dr.in Silke Felber, Kunstuniversität Linz
Biografie
Katarina Marković arbeitet als Performerin, Theatermacherin und Pädagogin mit Lebensmittelpunkt in Belgrad. Sie hat einen Master-Abschluss in serbischer Sprache und Literatur und erhielt eine stipendiengeförderte Ausbildung in Physical Theatre und Devised Theatre an LISPA / arthaus.berlin, die auf dem pädagogischen Ansatz von Jacques Lecoq basiert.
Ihre künstlerische Ausbildung wurde durch zahlreiche Workshops und Trainingsprogramme in Physical Theatre, partizipativem Theater und ortsspezifischer Theaterpraxis ergänzt.
Ihre künstlerische Praxis umfasst sowohl eigene als auch kollaborative Theaterprojekte. Sie wirkte in unterschiedlichen Theater- und Performance-Projekten mitgewirkt, wobei ihr Schwerpunkt auf Performance, Gestaltungsprozessen und kollaborativer kreativer Arbeit liegt.
In ihrem Doktoratsprojekt untersucht sie das Zusammenspiel von kollaborativer Entscheidungsfindung, Genderdynamiken und Theaterpraxis.